Kapitalanlage-Grundlagen

Beleihungswert und Beleihungsauslauf: wie die Bank deine Wohnung bewertet und was das mit deinem Zins macht

Technische Zeichnung eines Hauses auf einer Waage, die Anzeige der Waage ist gelb hervorgehoben

Der Beleihungswert ist der Wert, den die Bank deiner Immobilie zuschreibt, wenn sie den Kredit absichert, und er ist bewusst vorsichtiger als der Kaufpreis: je nach Bank und Objekt liegt er grob 10 bis 30 Prozent unter dem aktuellen Marktwert. Aus ihm ergibt sich der Beleihungsauslauf, das Verhältnis von Darlehen zu Beleihungswert, und diese Prozentzahl entscheidet direkt über deinen Zinssatz.

Wer eine Wohnung finanziert, begegnet diesen beiden Begriffen spätestens im Bankgespräch, meist ohne jede Erklärung, und wundert sich dann, warum dieselbe Wohnung bei zwei Banken zwei verschiedene Zinsangebote bekommt. Die Antwort liegt fast immer in der Bewertung. Dieser Artikel erklärt, wie der Beleihungswert entsteht, wie die Auslauf-Schwellen den Zins staffeln, und mit welchen Hebeln du als Käufer einer Kapitalanlage die Rechnung zu deinen Gunsten verschiebst, vor dem Kauf und noch einmal bei der Anschlussfinanzierung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Beleihungswert ist der vorsichtige Bank-Wert deiner Immobilie: der Betrag, der sich nach Einschätzung der Bank jederzeit und dauerhaft erzielen ließe, meist 10 bis 30 Prozent unter dem Marktwert.
  • Er ist weder der Kaufpreis noch der Verkehrswert. Drei Begriffe, drei Zahlen, und die Bank rechnet mit der niedrigsten.
  • Der Beleihungsauslauf ist das Darlehen geteilt durch den Beleihungswert. Je niedriger der Auslauf, desto besser der Zins, mit typischen Schwellen um 60, 80 und 100 Prozent.
  • Bei vermieteten Wohnungen fließt neben dem Objekt auch der Ertrag in die Bewertung ein: Eine solide Miete stützt den Wert, den die Bank ansetzt.
  • Eigenkapital ist der stärkste Hebel: Wer die Kaufnebenkosten selbst zahlt und den Auslauf unter die nächste Schwelle drückt, kauft sich einen besseren Zins für die gesamte Laufzeit.
  • Die Bewertung ist je Bank verschieden. Zwei Angebote einzuholen heißt auch, zwei Beleihungswerte zu bekommen, und damit manchmal zwei Zins-Welten.

Was der Beleihungswert ist

Der Beleihungswert beantwortet aus Bank-Sicht eine einzige Frage: Welchen Betrag bekämen wir für diese Immobilie mit hoher Sicherheit zurück, wenn wir sie irgendwann während der Kreditlaufzeit verwerten müssten?

Deshalb ist er konservativ gebaut. Kurzfristige Markt-Übertreibungen, Liebhaber-Aufschläge und die Hoffnung auf künftige Preissteigerungen bleiben draußen, gerechnet wird ausschließlich mit dem nachhaltig erzielbaren Wert über die gesamte Laufzeit des Kredits. Der rechtliche Rahmen dafür ist streng: Für Pfandbriefbanken schreibt das Pfandbriefgesetz die vorsichtige Ermittlung ausdrücklich vor, und auch alle anderen Institute arbeiten mit ähnlichen internen Regeln. Das Ergebnis liegt deshalb praktisch immer unter dem, was du tatsächlich bezahlst, die üblichen Spannen reichen von rund 10 bis 30 Prozent Abschlag, je nach Bank, Objektart und Lage.

Wichtig für dein Verständnis im Bankgespräch: Der Beleihungswert ist kein Urteil über deinen Kauf. Eine Bank, die deine 300.000-Euro-Wohnung mit 260.000 Euro ansetzt, sagt nicht, dass du 40.000 Euro zu viel bezahlst. Sie sagt nur, mit welchem Sicherheitspolster sie kalkuliert, und dieses Polster ist ihr Geschäftsprinzip, kein Marktkommentar.

Kaufpreis, Verkehrswert, Beleihungswert: drei Zahlen für dieselbe Wohnung

Rund um die Bewertung schwirren drei Begriffe, und wer sie auseinanderhält, versteht jedes Finanzierungsangebot schneller.

Begriff Was er bedeutet Wer ihn benutzt
Kaufpreis Was du tatsächlich bezahlst Kaufvertrag, Notar
Verkehrswert (Marktwert) Was das Objekt aktuell am Markt erzielen würde Gutachter, Gerichte, Verkäufer
Beleihungswert Der dauerhaft sichere Wert mit Abschlag Die Bank, für Kredit und Zins

Im Normalfall liegen die drei Zahlen sauber gestaffelt übereinander: Der Verkehrswert bewegt sich nahe am Kaufpreis, der Beleihungswert liegt spürbar darunter. Interessant werden die Ausnahmen. Kaufst du unter Marktwert, etwa aus einer Sondersituation des Verkäufers, kann der Beleihungswert nahe an deinen Kaufpreis heranreichen, und deine Finanzierung wird überraschend günstig. Kaufst du über Marktwert, wächst die Lücke, und die Bank verlangt entsprechend mehr Eigenkapital oder Zins. Der Beleihungswert ist damit nebenbei ein stiller Preis-Check: Wenn die Bank deutlich weniger ansieht als du bezahlst, ist das ein Signal, den Kaufpreis noch einmal gegen den Markt zu prüfen, etwa mit dem Kaufpreisfaktor als Schnellvergleich.

Wie die Bank den Wert ermittelt

Für eine Eigentumswohnung nutzt die Bank im Kern zwei Rechenwege, und bei einer vermieteten Wohnung kommt der zweite erst richtig zur Geltung.

Der Vergleichswert leitet den Wert aus tatsächlich gezahlten Preisen für ähnliche Wohnungen ab, Lage, Größe, Baujahr und Zustand fließen ein. Das ist der Standard bei selbst genutzten Wohnungen. Der Ertragswert rechnet dagegen vom Ertrag her: Was bringt die Wohnung nachhaltig an Miete, und was ist dieser Zahlungsstrom wert? Bei vermieteten Objekten schaut die Bank auf beide Wege, und hier liegt ein Punkt, der in den üblichen Lexikon-Artikeln fehlt: Eine sauber vermietete Wohnung mit marktgerechter, nachweisbarer Miete stützt ihren eigenen Beleihungswert. Der Mietvertrag ist nicht nur eine Einnahme, er ist ein Bewertungsargument, und ein realistischer, gut dokumentierter Mietansatz gehört deshalb zu den Unterlagen, die du der Bank ungefragt mitlieferst.

Praktisch läuft die Ermittlung bei einer normalen Wohnung unspektakulär: Die Bank arbeitet mit ihren Datenbanken und Besichtigungs- oder Foto-Unterlagen, ein teures Vollgutachten ist erst bei größeren Objekten üblich. Was sie dafür von dir braucht, ist überschaubar und beschleunigt die Zusage, wenn es vollständig kommt: Exposé, Grundriss, Wohnflächenberechnung, Teilungserklärung, aktuelle Hausgeld-Abrechnung, bei Vermietung der Mietvertrag mit Zahlungsnachweisen, beim Neubau die Baubeschreibung. Du bekommst das Ergebnis selten als eigene Zahl präsentiert, aber du siehst seine Wirkung, und die heißt Beleihungsauslauf.

Der Beleihungsauslauf: die Prozentzahl hinter deinem Zins

Der Beleihungsauslauf ist die Darlehenssumme geteilt durch den Beleihungswert, und diese eine Prozentzahl sortiert dich in die Zins-Staffel der Bank ein.

Die Logik: Je mehr Kredit im Verhältnis zum sicheren Wert, desto größer das Risiko der Bank, und desto höher der Zinsaufschlag. Die Schwellen unterscheiden sich je Institut, das typische Muster sieht aber so aus: Bis etwa 60 Prozent Auslauf gibt es die besten Konditionen, denn dieser Bereich gilt als erstklassig besichert. Zwischen 60 und 80 Prozent bleibt es moderat. Ab 80 Prozent wird es spürbar teurer, und jenseits von 100 Prozent, also wenn das Darlehen den Beleihungswert übersteigt, zahlst du die höchsten Aufschläge.

Beleihungsauslauf und Zins: die Treppe nach oben Vier Stufen zeigen schematisch den Zinsaufschlag je nach Beleihungsauslauf: bis 60 Prozent am günstigsten, 60 bis 80 Prozent moderat, 80 bis 100 Prozent teurer, über 100 Prozent am teuersten. Die günstigste Stufe ist gelb markiert. Je höher der Auslauf, desto teurer der Zins Schematische Staffel, die Schwellen und Aufschläge sind je Bank verschieden bis 60 % Bestzins 60 bis 80 % moderater Aufschlag 80 bis 100 % spürbar teurer über 100 % höchste Aufschläge Wer mit Eigenkapital unter die nächste Schwelle rutscht, senkt den Zins für die gesamte Zinsbindung, nicht nur für ein Jahr.

Ein Beispiel mit Beispielwerten macht die Größenordnung greifbar: Kaufpreis 300.000 Euro, Beleihungswert 260.000 Euro. Finanzierst du 250.000 Euro, liegt dein Auslauf bei rund 96 Prozent, also in der teuren Zone, obwohl du aus deiner Sicht ordentliche 50.000 Euro Eigenkapital einbringst. Genau diese Diskrepanz überrascht viele Erstkäufer: Du rechnest deinen Eigenkapital-Anteil auf den Kaufpreis, die Bank rechnet ihn auf ihren niedrigeren Wert, und ihre Rechnung gilt. Finanzierst du dank mehr Eigenkapital nur 205.000 Euro, sinkt der Auslauf auf rund 79 Prozent, eine Schwelle tiefer. Bei einem angenommenen Zinsvorteil von nur 0,3 Prozentpunkten sind das auf 250.000 beziehungsweise 205.000 Euro gerechnet mehrere Hundert Euro Zinsersparnis pro Jahr, über eine zehnjährige Zinsbindung ein vier- bis fünfstelliger Betrag, für dieselbe Wohnung.

Die Beleihungsgrenze: der kleine Bruder des Beleihungswerts

Neben dem Beleihungswert taucht in Bank-Unterlagen oft die Beleihungsgrenze auf, und die beiden werden gern verwechselt.

Die Beleihungsgrenze ist der Prozentsatz des Beleihungswerts, bis zu dem ein Institut nach seinen eigenen Regeln üblicherweise finanziert. Klassische Größen sind 60 Prozent im streng regulierten Pfandbrief-Bereich und 80 Prozent als verbreitete Hausgrenze, Bausparkassen und Versicherer arbeiten traditionell konservativer als Geschäftsbanken. Oberhalb der eigenen Grenze finanzieren viele Banken trotzdem, dann eben mit Aufschlägen oder Zusatzanforderungen, und manche eben nicht. Für dich heißt das praktisch: Wenn ein Institut abwinkt, ist das oft keine Aussage über dich oder die Wohnung, es ist seine Grenze, und die nächste Bank hat eine andere.

Was den Beleihungswert drückt, bevor du etwas dafür kannst

Ein Teil der Bewertung hängt am Objekt selbst, und ein paar Eigenschaften drücken den Beleihungswert systematisch, unabhängig vom Kaufpreis.

Erbbaurecht: Ohne eigenes Grundstück fällt die wichtigste Sicherheit teilweise weg, die Bewertung ist entsprechend strenger, manche Institute finanzieren Erbbau-Objekte gar nicht. Sanierungsstau und Alter: Absehbare Instandhaltung mindert den nachhaltigen Wert, beim unsanierten Altbau rechnet die Bank Rückstände gedanklich mit ein. Exotische Objekt-Typen: Mikroapartments, Ferienwohnungen und gewerblich geprägte Einheiten haben kleinere Käufermärkte, und ein kleiner Wiederverkaufsmarkt bedeutet für die Bank ein größeres Verwertungsrisiko, also mehr Abschlag. Schwache Mikrolage: Der Markt der Straße zählt, nicht der Ruf der Stadt.

Die Gegenseite gehört genauso gesagt: Eine gewöhnliche, gut geschnittene Wohnung in nachgefragter Lage mit solider Vermietung ist aus Bank-Sicht das dankbarste Objekt, das es gibt, denn sie bringt alles mit, was die Bewertung stützt: einen breiten Markt, klare Vergleichswerte und einen stabilen Ertrag. Das Unspektakuläre, das beim Renditeobjekt-Vergleich rechnerisch überzeugt, bewertet sich auch in der Finanzierung am besten. Besonderheit kostet an beiden Stellen: beim Kauf und beim Beleihungswert.

Nach dem Kauf: der Auslauf sinkt von allein

Der Beleihungsauslauf ist keine feste Eigenschaft deiner Finanzierung, er sinkt mit jeder Tilgungsrate, und das zahlt sich am Ende der Zinsbindung aus.

Die Mechanik: Während der Zinsbindung tilgst du Jahr für Jahr Restschuld, und wenn nach zehn Jahren die Anschlussfinanzierung ansteht, wird der Auslauf neu gerechnet, mit der niedrigeren Restschuld und dem dann aktuellen Beleihungswert. Wer mit 95 Prozent gestartet ist, steht zur Anschlussfinanzierung oft bei 70 oder darunter, eine oder zwei Zins-Stufen besser, ganz ohne eigenes Zutun. Gestiegene Marktwerte können den Effekt verstärken, garantiert sind sie nicht, die Tilgung dagegen schon.

Praktisch folgt daraus eine Regel für die Anschlussfinanzierung: nie einfach das Verlängerungs-Angebot der Hausbank unterschreiben. Zur Anschlussrunde bist du ein deutlich besserer Kreditnehmer als beim Kauf, mit niedrigerem Auslauf, gestiegener Miete und sauberer Zahlungshistorie, und genau dann lohnt der Vergleich mehrerer Banken ein zweites Mal, mit denselben Hebeln wie oben. Die Hausbank rechnet ihr Angebot erfahrungsgemäß erst dann scharf, wenn sie weiß, dass du Alternativen auf dem Tisch hast.

Warum das für Kapitalanleger doppelt zählt

Beim Eigenheim entscheidet der Auslauf über die Rate. Bei der vermieteten Wohnung entscheidet er zusätzlich über die Rechnung dahinter, an zwei Stellen.

Erstens über den Cashflow: Der Zins ist bei einer Kapitalanlage der größte laufende Kostenblock, und jeder Zehntelpunkt verschiebt das Verhältnis von Miete zu Rate. Eine Finanzierung, die durch einen hohen Auslauf 0,4 Punkte teurer ist, kann aus einer Wohnung, deren Miete die Rate deckt, eine machen, die monatlich Zuschuss braucht. Zweitens über die Steuer-Mechanik: Die Zinsen einer vermieteten Wohnung sind Werbungskosten und mindern das zu versteuernde Ergebnis, wie der Artikel Mieteinnahmen versteuern zeigt. Das federt höhere Zinsen anteilig ab, es macht sie aber nicht kostenlos: Bei 42 Prozent Grenzsteuersatz bleibt von jedem Euro Zinsaufschlag immer noch mehr als die Hälfte an dir hängen.

Dazu kommt die Ausgangslage vieler Anleger: Wer bewusst mit wenig Eigenkapital kauft, um den Hebel zu nutzen, landet automatisch bei hohen Ausläufen, oft über 100 Prozent, wenn auch die Nebenkosten mitfinanziert werden. Das kann sich rechnen, es hat aber seinen Preis im Zins, und genau diese Abwägung zwischen Hebel und Konditionen gehört bewusst getroffen, nicht zufällig erlitten. Die Rechnung dazu, mit ihren Chancen und Risiken, steht im Artikel Immobilie ohne Eigenkapital.

Die 110-Prozent-Frage: wenn auch die Nebenkosten in den Kredit sollen

Am oberen Ende der Auslauf-Skala liegt die Vollfinanzierung, und für Kapitalanleger mit wenig Startkapital ist sie die entscheidende Weiche.

Wer den kompletten Kaufpreis finanziert, landet je nach Beleihungswert bereits bei 105 bis 115 Prozent Auslauf, denn der Kredit übersteigt den vorsichtigen Bank-Wert. Sollen zusätzlich die Kaufnebenkosten mit in den Kredit, wächst der Auslauf weiter, und die Bank finanziert dann einen Teil, für den sie gar keine Sicherheit in der Hand hält. Das machen Institute nur bei überzeugender Bonität: sicheres, ausreichendes Einkommen, saubere Ausgabenseite, nachvollziehbare Gesamtrechnung, und bei vermieteten Objekten eine Miete, die einen ordentlichen Teil der Rate übernimmt. Der Preis ist ein spürbarer Zinsaufschlag auf die gesamte Summe.

Die nüchterne Abwägung dazu: Die Vollfinanzierung erhöht den Hebel auf das eingesetzte Eigenkapital, und sie erhöht gleichzeitig Rate, Zinskosten und Anforderungen an deine Bonität. Beides ist wahr, keins davon verschwindet durch Weglassen im Verkaufsgespräch. Wer diesen Weg erwägt, sollte die komplette Rechnung kennen, mit Puffer für Zinsen und Leerstand, und sie steht ausführlich im Artikel Immobilie ohne Eigenkapital.

Fünf Hebel, mit denen du den Auslauf steuerst

Der Beleihungswert selbst liegt weitgehend in der Hand der Bank, dein Auslauf nicht, und an ihm lässt sich mit fünf Hebeln arbeiten. Keiner davon ist ein Trick, alle fünf sind schlicht Vorbereitung, und zusammen entscheiden sie über Zehntelpunkte, die sich über Jahre summieren.

1. Kaufnebenkosten aus eigener Tasche zahlen. Grunderwerbsteuer, Notar und Makler erhöhen den Kredit, aber nicht den Beleihungswert, denn die Bank bekommt für Nebenkosten keinen Gegenwert als Sicherheit. Wer sie selbst bezahlt, verbessert den Auslauf überproportional.

2. Gezielt unter die nächste Schwelle finanzieren. Ob 82 oder 79 Prozent Auslauf klingt nach Kleinigkeit, kann aber eine ganze Zins-Stufe ausmachen. Frag die Bank konkret, wo ihre Schwellen liegen, und rechne, was dich der Schritt darunter an Eigenkapital kostet und an Zins spart.

3. Die Miete sauber dokumentieren. Bei vermieteten Objekten stützt ein marktgerechter, nachweisbarer Mietertrag die Bewertung. Mietvertrag, aktuelle Zahlungsnachweise und Vergleichsmieten der Lage gehören ins Finanzierungspaket.

4. Mehrere Banken fragen. Beleihungswert-Ermittlung ist Haus-Sache: Dieselbe Wohnung kann bei Bank A mit 255.000 und bei Bank B mit 275.000 Euro angesetzt werden, und damit verschiebt sich dein Auslauf, ohne dass sich an dir oder der Wohnung etwas ändert. Zwei bis drei Angebote sind bei sechsstelligen Summen keine Fleißaufgabe, sie sind Pflicht.

5. Zusatzsicherheiten prüfen, aber nüchtern. Eine weitere Immobilie oder ein Depot als zusätzliche Sicherheit kann den Auslauf rechnerisch senken. Das verknüpft aber Vermögenswerte miteinander und gehört gut überlegt, im Zweifel mit unabhängiger Beratung.

Eigenheim und Kapitalanlage: gleiche Mechanik, andere Rechnung

Zur Einordnung, ohne Beratung in die eine oder andere Richtung: Die Beleihungswert-Mechanik ist bei beiden Käufen identisch, ihre Folgen verteilen sich verschieden.

Beim Eigenheim ist der Zinsaufschlag eines hohen Auslaufs schlicht höhere Wohnkosten, getragen aus dem Netto-Gehalt, ohne Gegenposten. Bei der vermieteten Wohnung stehen dem Aufschlag zwei Dinge gegenüber: die Miete, die einen Teil der Rate übernimmt, und der Werbungskosten-Abzug, der einen Teil des Zinses über die Steuer zurückholt. Deshalb kann ein Auslauf, der beim Eigenheim wehtut, bei einer gut vermieteten Wohnung rechnerisch verkraftbar sein, und deshalb prüft die Bank bei Anlegern neben dem Objekt immer auch die Miete mit. Was bleibt, ist für beide gleich: Unter der nächsten Schwelle zu finanzieren ist geschenktes Geld, und niemand schenkt es dir von allein.

Fazit

Der Beleihungswert ist der vorsichtige Bank-Wert deiner Immobilie, meist 10 bis 30 Prozent unter dem Marktwert, und der Beleihungsauslauf, also Darlehen geteilt durch Beleihungswert, sortiert dich in die Zins-Staffel ein: am günstigsten bis etwa 60 Prozent, spürbar teurer ab 80, am teuersten jenseits der 100. Bei vermieteten Wohnungen stützt eine saubere, nachweisbare Miete die Bewertung, und der Zins zählt doppelt, auf den Cashflow und über die absetzbaren Werbungskosten auf die Steuer. Die stärksten Hebel: Nebenkosten selbst zahlen, gezielt unter die nächste Schwelle finanzieren, die Miete dokumentieren und mehr als eine Bank fragen.

Alle Spannen und Beispiele in diesem Artikel sind Größenordnungen, jede Bank bewertet und staffelt eigenständig. Was sich zwischen den Banken nicht unterscheidet, ist die Reihenfolge der Prüfung: Erst kommt deine Haushaltsrechnung, dann das Objekt, und der Beleihungswert verbindet beides zum Zinssatz.

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Kurz zur Einordnung: Dieser Artikel erklärt, wie Banken üblicherweise bewerten und staffeln, an Beispielen und Spannen. Er ist keine Finanzierungs- oder Anlageberatung und ersetzt sie nicht. Jede Bank ermittelt und entscheidet eigenständig, was für dich gilt, zeigt erst das konkrete Angebot.

Dieser Artikel ist eine Rechen-Grundlage, keine Steuerberatung. Was in deinem Fall gilt, hängt von deiner persönlichen Situation ab. Sprich vor einer Entscheidung mit deinem Steuerberater.
Vladimir Ponkrashov

Vladimir Ponkrashov

Geschäftsführer VPO Finance GmbH & Vorstand der DFK Group

Verkauft seit 18 Jahren Wohnungen als Kapitalanlage an Angestellte mit hohem Steuersatz, direkt aus eigenen Neubauten. Über 700 Notartermine begleitet.

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